Für die Seele

 

Interview mit Gott

Ich träumte, ich hätte ein Interview mit Gott


„Du möchtest also ein Gespräch mit mir“ fragte Gott
„Wenn Du Zeit hast“ sagte ich


Gott lächelte.
„Meine Zeit ist die Ewigkeit. Welche Fragen würdest Du mir gerne stellen?“
„Was erstaunt Dich am meisten bei den Menschen“?


Gott antwortete;

Dass sie der Kindheit überdrüssig werden, sich beeilen erwachsen zu werden,
um sich dann danach zu sehnen wieder Kinder sein zu können.


Dass sie um Geld zu verdienen, ihre Gesundheit auf´s Spiel setzen,
um dann ihr Geld ausgeben um wieder gesund zu werden.


Dass sie durch die ängstlichen Blicke in die Zukunft das jetzt vergessen,
sodass sie weder in der Gegenwart noch in der Zukunft leben.


Dass sie leben als würden sie niemals sterben,
um dann zu sterben als hätten sie nie gelebt.


Gott nahm meine Hand und wir schwiegen eine Weile.


Dann wollte ich wissen „was möchtest Du, dass Deine Kinder lernen“?


Gott antwortete mit einem Lächeln:

Dass man niemanden veranlassen kann, jemanden zu lieben,
sondern zulassen darf, geliebt zu werden.


Dass es nicht förderlich ist sich mit anderen zu vergleichen.

Dass eine reiche Person nicht jemand sein muss, der das Meiste hat,
sondern vielleicht das Wenigste braucht.


Dass es nur einige Sekunden braucht um einen Menschen tiefe
Wunden zuzufügen, jedoch viele Jahre, diese wieder zu heilen.


Dass Vergebung durch gelebtes vergeben geschieht.


Dass es Menschen gibt die sie innig lieben, jedoch nicht wissen,
wie sie ihre Gefühle ausdrücken können.


Dass zwei Menschen dasselbe betrachten können,
es jedoch unterschiedlich sehen.


Dass es manchmal nicht genug ist Vergebung zu erhalten,
sondern sich selbst zu vergeben.


Und dass ich hier bin.

IMMER

 

 

 

 

Der Gartenzaun - Eine Freundschaftsgeschichte


Es war einmal ein Junge, der einen schlechten Charakter hatte. Sein Vater gab ihm einen Sack voll Nägel und sagte ihm, er müsse jedes mal, wenn er die Geduld mit jemanden verliert, einen Nagel in den Gartenzaun schlagen.

 

Am ersten Tag schlug der Junge 37 Nägel in den Gartenzaun. In den folgenden Wochen lernte er sich zu beherrschen. Die Anzahl der Nägel im Gartenzaun wurde immer weniger. Er hatte herausgefunden, dass Nägel zu schlagen mühsamer ist als sich zu beherrschen. Endlich kam der Tag an dem der Junge keinen Nagel mehr schlagen musste.


Also ging er zum Vater und sagte ihm das. Der Vater sagte ihm also, er solle jeden Tag einen Nagel aus dem Gartenzaun herausreißen, wenn er sich beherrscht. Endlich konnte der Junge dem Vater sagen, dass er alle Nägel aus dem Gartenzaun herausgezogen hatte.

 

Der Vater brachte den Jungen vor den Gartenzaun und sagte ihm:
"Mein Sohn, du hast dich gut benommen, doch schau dir den Gartenzaun an. Er ist voller Löcher. Der Gartenzaun wird nie mehr so sein wie früher. Wenn du mit jemandem streitest und du sagst ihm was Böses, dann lässt du ihm eine Wunde wie diese hier. Du kannst ein Messer in einen Menschen stecken, und du kannst es nachher herausziehen, die Wunde bleibt. Es macht nichts aus wie oft du dich entschuldigst, die Wunde wird bleiben. Eine verbale Wunde ist gleich schmerzhaft wie eine körperliche Wunde. Freunde sind rare Juwelen, sie bringen dich zum Lachen und sie geben dir Mut. Sie sind bereit dir zuzuhören, wenn du sie brauchst, sie unterstützen dich und sie öffnen ihr Herz."

 


 

 

Zwei sorgenfreie Tage


Es gibt in jeder Woche zwei Tage, über die wir uns keine Sorgen machen sollten.
Zwei Tage, die wir frei halten sollten von Angst und Bedrückung.


Einer dieser Tage ist Gestern mit all seinen Fehlern und Sorgen,
geistlichen und körperlichen Schmerzen.
Das Gestern ist nicht mehr unter unserer Kontrolle!
Alles Geld der Welt kann das Gestern nicht zurückbringen;
wir können keine einzige Tat, die wir gestern getan haben, ungeschehen machen.
Das Gestern ist vorbei.


Der andere Tag, über den wir uns keine Sorgen machen sollten,
ist das Morgen mit seinen möglichen Gefahren, Lasten,
großen Versprechungen und weniger guten Leistungen.
Auch das Morgen haben wir nicht unter unserer sofortigen Kontrolle.
Morgen wird die Sonne aufgehen,
entweder in ihrem vollen Glanz oder hinter einer Wolkenwand.
Aber eins steht fest: sie wird aufgehen!
Bis sie aufgeht, sollten wird uns nicht über Morgen Sorgen machen,
weil Morgen noch nicht geboren ist.


Da bleibt nur ein Tag übrig: Heute!
Jeder Mensch kann täglich nur ein Tagwerk bewältigen.
Dass wir zusammenbrechen geschieht nur,
wenn Du und ich die Last dieser zwei fürchterlichen Ewigkeiten
- Gestern und Morgen - zusammenfügen.


Es sind nicht die Erfahrungen von Heute, die die Menschen verrückt machen;
es ist die Reue und Verbitterung für etwas, was gestern geschehen ist,
oder die Furcht vor dem, was das Morgen wieder bringen wird.
Heute ist das Morgen, worüber wir uns gestern Sorgen gemacht haben.


Boris Luban-Plozza

 


 

 

Mensch und Welt


Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Der aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spiel. Also überlegte er, womit er den Knaben beschäftigen könnte. Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde.


Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Das gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei. Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild.

 

Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe.

Das Kind sagte: "Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt."

 


 

 

WAS ES IST


Es ist Unsinn
sagt die Vernunft


Es ist was es ist
sagt die Liebe


Es ist Unglück
sagt die Berechnung


Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst


Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht


Es ist was es ist
sagt die Liebe


Es ist lächerlich
sagt der Stolz


Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht


Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung


Es ist was es ist
sagt die Liebe


Erich Fried

 


 

 

Das goldene Verpackungspapier


Man sagt, dass jeder seine Wahl treffen muss. Ich habe gewählt. Jetzt kannst du wählen. Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen.

 

Vor einiger Zeit hat ein Mann seine 5 Jahre alte Tochter für das Vergeuden einer Rolle von kostspieligen Goldverpackungspapier bestraft.


Geld war knapp und er wurde wütend, als das Kind das ganze Goldpapier verbraucht hat, um eine Schachtel zu verzieren, um sie unter den Weihnachtsbaum zu legen.


Dennoch brachte das kleine Mädchen am folgenden Morgen die Geschenksschachtel ihrem Vater und sagte, Das ist für dich, Papa. Der Vater war verlegen weil er am Vortag so überreagiert hatte. Er öffnete die Geschenksschachtel und wurde wieder sehr zornig, als er sah, dass diese leer war.


Wütend sagte er zu ihr: Weißt du nicht, junge Dame, dass wenn man jemand ein Geschenk gibt, auch etwas in der Verpackung sein soll?


Das kleine Mädchen betrachtete ihn mit Tränen in den Augen und sagte: Papa, sie ist nicht leer, ich hab so viele Bussis hineingegeben, bis sie ganz voll war. Der Vater war ganz zerknirscht. Er fiel auf seine Knie und legte seine Arme um sein kleines Mädchen, und bat sie, ihm seinen unnötigen Zorn zu verzeihen.


Nur kurze Zeit später starb das kleine Mädchen bei einem Unfall. Nach dem Tod seines kleinen Mädchens behielt der Vater seinen ganzes Leben lang die Goldschachtel neben seinem Bett. Immer wenn er durch schwierige Probleme entmutigt wurde, öffnete er seien Goldschachtel und stellte sich vor einen Kuss von seinem kleinen Mädchen herausnehmen und erinnerte sich dabei an die Liebe des Kindes, die sie dort hineingegeben hatte.


Jeder von uns, hat so eine goldene Schachtel, die gefüllt ist mit unbedingter Liebe und Küssen von unseren Kindern, von Familie und von Freunden. Das ist der kostbarste Besitz, den man haben kann.

 


 

 

VOM WERT DER ZEIT


Um den Wert eines Jahres zu erfahren, frage einen Studenten, der im Schlußexamen durchgefallen ist.

Um den Wert eines Monats zu erfahren, frage eine Mutter, die ein Kind zu früh zur Welt gebracht hat.

Um den Wert einer Woche zu erfahren, frage den Herausgeber einer Wochenzeitschrift.

Um den Wert einer Stunde zu erfahren, frage die Verliebten, die darauf warten sich zu sehen.

Um den Wert einer Minute zu erfahren, frage jemanden der seinen Zug, seinen Bus oder sein Flugzeug verpasst hat.

Um den Wert einer Sekunde zu erfahren, frage jemanden, der einen Unfall erlebt hat.

Um den Wert einer Millisekunde zu erfahren, frage jemanden, der bei den olympischen Spielen eine Silbermedaille gewonnen hat.


Die Zeit wartet auf niemanden.

Sammle jeden Moment, der dir bleibt, denn er ist wertvoll.


Manche Menschen wissen nicht, wie wichtig es ist, dass sie da sind.

Manche Menschen wissen nicht, wie gut es ist, sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht, wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht, wie wohltuend ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht, wie viel ärmer wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht, dass sie ein Geschenk des Himmels sind.

Sie wüssten es, würden wir es ihnen sagen.


Mit der Zeit lernst du, dass eine Hand halten nicht dasselbe ist, wie eine Seele zu fesseln, und dass Liebe nicht anlehnen bedeutet, und Begleitung nicht Sicherheit.


Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind, und Geschenke keine Versprechen, und du beginnst, deine Niederlagen erhobenen Hauptes, und offenen Auges hinzunehmen, mit der Würde eines Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind.


Und du lernst, all deine Straßen auf dem Heute zu bauen weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.

Mit der Zeit erkennst du, dass sogar Sonnenschein brennt, wenn du zuviel davon abbekommst.


Also bestell deinen Garten, und schmücke selbst dir die Seele mit Blumen, statt darauf zu warten, dass andere Kränze flechten.


Und bedenke, dass du wirklich stark bist und dass du deinen eigenen Wert hast.


Kelly Priest

 


 

 

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.


Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.


Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.


Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.


Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.


Ihr dürft versuchen wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch gleich zu machen.


Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.


Ihr seid der Bogen, von denen eure Kinder als lebend Pfeile ausgeschickt werden.


Lasst euren Bogen in der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein.


Denn so wie er den Pfeil liebt der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.


Khalil Gibran

 


 

 

 

Welpen zu verkaufen


In einer Tierhandlung war ein großes Schild zu lesen, auf dem stand: "Welpen zu verkaufen".


Ein kleiner Junge kam vorbei und sah das Schild. Da der Ladenbesitzer gerade an der Tür stand, fragte er ihn: "Was kosten die Hundebabys?"

"Zwischen 50,- und 80,- EUR." sagte der Mann.


Der kleine Junge griff in seine Hosentasche und zog einige Münzen heraus. "Ich habe 7 Euro und 65 Cents." sagte er. "Darf ich sie mir bitte anschauen?"


Der Ladenbesitzer lächelte und pfiff nach seiner Hündin. Fünf kleine Hundebabys stolperten hinter ihr her. Eines von ihnen war deutlich langsamer als die anderen und humpelte auffällig.


"Was hat der Kleine dahinten?" fragte der Junge.

Der Ladenbesitzer erklärte ihm, dass der Welpe einen Geburtsschaden hatte und nie richtig laufen würde.

"Den möchte ich kaufen." sagte der Junge.


"Also den würde ich nicht nehmen, der wird nie ganz gesund." antwortete der Mann. "Aber, wenn du ihn unbedingt willst, schenke ich ihn dir."


Da wurde der kleine Junge wütend. Er blickte dem Mann direkt in die Augen und sagte: "Ich möchte ihn nicht geschenkt haben. Dieser kleine Hund ist jeden Cent wert, genauso wie die anderen auch. Ich gebe Ihnen meine 7,65 EUR und werde jede Woche einen Euro bringen, bis er abgezahlt ist."


Der Mann entgegnete nur: "Ich würde ihn wirklich nicht kaufen - er wird niemals in der Lage sein, mit dir zu rennen und zu toben wie die anderen."


Da hob der Junge sein Hosenbein und sichtbar wurde eine Metallschiene, die sein verkrüppeltes Bein stützte. Liebevoll auf den Hund blickend sagte er: "Ach, ich renne selbst auch nicht gut und dieser kleine Hund wird jemanden brauchen, der ihn versteht."

 


 

 

Pflichtbewußtsein ohne Liebe macht verdrießlich

Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos


Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart

Wahrhaftigkeit ohne Liebe macht kritiksüchtig


Klugheit ohne Liebe macht betrügerisch

Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch


Ordnung ohne Liebe macht kleinlich

Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch


Macht ohne Liebe macht grausam

Ehre ohne Liebe macht hochmütig


Besitz ohne Liebe macht geizig

Glaube ohne Liebe macht fanatisch


Lao tse

 


 

 

Das Geheimnis der Zufriedenheit


Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister.


"Herr", fragten sie "was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du."

Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."


Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: "Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?"


Es kam die gleiche Antwort: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ist und wenn ich esse, dann esse ich."


Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu: "Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid.

 

In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein."

 


 

 

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.

Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben.


Ich wünsche dir Zeit, dich zu freu´n und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.


Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum verschenken.


Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.


Ich wünsche dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben, ich wünsche,
sie möge dir übrig bleiben als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrau´n,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schau´n.


Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen und Zeit,
um zu wachsen, das heißt um zu reifen.


Ich wünsche dir Zeit neu zu hoffen, zu lieben.

Es hat keinen Sinn diese Zeit zu verschieben.


Ich wünsche dir Zeit zu dir selber zu finden, jeden Tag,
jede Stunde als Glück zu empfinden.


Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!


Elli Michler

 


 

 

Die kleine Mücke Traurigkeit


Die kleine Mücke Traurigkeit flog durch die Welt. Immer wenn sie jemanden stach, wurde derjenige von unerklärlicher Traurigkeit ergriffen. Niemand verstand dann, was mit dem Betreffenden los war, denn es passierte von einem Augenblick zum nächsten. Er selbst verstand es meist auch nicht. In einem Moment war er noch ganz fröhlich und dann überfiel ihn eine mächtige Traurigkeit.


Die kleine Mücke Traurigkeit merkte, dass die Menschen um sie herum immer trauriger wurden. Sie störte das nicht weiter, denn sie hielt Traurigkeit für ganz normal. Nie hörte man von ihr ein Lachen, nie flog sie lustige Kapriolen in der Luft. Die anderen Mücken mieden sie, denn sie war so traurig, dass sich die anderen von ihr nicht anstecken lassen wollten. So war die kleine Mücke Traurigkeit ganz alleine mit ihrer Traurigkeit.


Eines schönen Sommerabends traf sie eine Grille, die ein wunderschönes Grillen-Konzert veranstaltete.

"Was für eine schöne Musik." sagte die Mücke traurig.

"Nicht wahr", freute sich die Grille, "Musik macht ein fröhliches Gemüt und ein glückliches Herz."

"Was ist das?" fragte die kleine Mücke.

"Was ist was?" die Grille verstand sie nicht.

"Na, was ist ein fröhliches Gemüt und ein glückliches Herz?" wollte die kleine Mücke wissen.


"Wer bist denn du, dass du das nicht weißt?" fragte die Grille erstaunt.

"Ich bin die kleine Mücke Traurigkeit." stellte sich die kleine Mücke vor.

"Na, dann ist ja alles klar", seufzte die Grille, "du armes kleines Wesen."„

"Kann ich lernen, was ein fröhliches Gemüt und ein glückliches Herz ist?" fragte die kleine Mücke.

"Hör mir einfach nur zu" antwortete die Grille.


Und die Grille begann das schönste Grillen–Konzert ihres Lebens. Sie spielte leicht und fröhlich, wehmütig und liebevoll. Sie spielte alle Melodien die sie kannte und noch einige mehr. Mal klang ihre Musik hell und klar, mal klang sie übermütig und ausgelassen. Doch immer klang die Fröhlichkeit darin mit. Die Grille spielte so schön, wie noch nie in ihrem Leben. Die kleine Mücke Traurigkeit lauschte ganz hingerissen. Aber nicht nur sie, sondern alle, die die Musik der Grille hörten, hielten inne und begannen zu lauschen. Die schönen Klänge gruben sich tief in alle Herzen. Die kleine Mücke Traurigkeit vergaß ihre Traurigkeit, während sie der Musik atemlos lauschte.

 

Und mit einem Mal passierte etwas ganz besonderes mit der kleinen Mücke. Weil sie ihre Traurigkeit nicht mehr spürte, wurde in ihrem Herzen Platz für viele andere Gefühle. Mit der Musik erlebte sie Freude und Lachen, und spürte Übermut und Fröhlichkeit, von der sie gar nicht wusste, dass es sie gab.

Als die Grille geendet hatte, dankte ihr die kleine Mücke ganz bewegt und voller Freude.


"Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Nie habe ich mir vorstellen können, dass es so viele Gefühle gibt" staunte die kleine Mücke glücklich. "Das werde ich nie vergessen. Du hast mir ein wunderschönes Geschenk gemacht."


"Damit hast du mir auch ein schönes Geschenk gemacht." gab die Grille zurück. "Wenn jemandem meine Musik gefällt, ist das das allerschönste für mich."


Die kleine Mücke verabschiedete sich von der Grille. Und sie machte sich auf die Suche nach einem neuen Namen.

 


 

 

Gibt es ein Leben nach der Geburt?


Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter.

"Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" fragt der eine Zwilling.

"Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird." antwortet der andere Zwilling.


"Ich glaube, das ist Blödsinn!" sagt der erste. "Es kann kein Leben nach der Geburt geben - wie sollte das denn bitteschön aussehen?"


"So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?"


"So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz."


"Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders."

"Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum."


"Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen."


"Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"

"Na hier - überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!"


"Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."

"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt...."

 


 

 

Der Ruin


"Diese neu gebaute Schnellstraße ist mein Ruin" klagte der Pensionsbesitzer. "Sie hat nur negative Folgen für mich gebracht."


"Also, so ganz kann ich dich nicht verstehen, antwortete sein Freund. "Jeden Abend ist auf dem Schild vor deiner Pension "Belegt" zu lesen."


"Ach," jammerte der Mann "danach kann man nicht gehen. Überlege nur: bevor die Straße gebaut wurde, musste ich jeden Abend zwischen 30 und 40 Leute wegschicken. Jetzt sind es nie mehr als 20!"

 


 

Die drei weisen Alten


Es war eines Tages im Frühling, als eine Frau vor ihrem Haus drei alte Männer stehen sah. Sie hatten lange weiße Bärte und sahen aus, als wären sie schon weit herumgekommen.


Obwohl sie die Männer nicht kannte, folgte sie ihrem Impuls, sie zu fragen, ob sie vielleicht hungrig seien und mit hinein kommen wollten.


Da antwortete er eine von ihnen: "Sie sind sehr freundlich, aber es kann nur einer von uns mit Ihnen gehen. Sein Name ist Reichtum" und deutete dabei auf den Alten, der rechts von ihm stand. Dann wies er auf den, der links von ihm stand und sagte: "Sein Name ist Erfolg. Und mein Name ist Liebe. Ihr müsst euch überlegen, wen von uns ihr ins Haus bitten wollt."


Die Frau ging ins Haus zurück und erzählte ihrem Mann, was sie gerade draußen erlebt hatte. Ihr Mann war hoch erfreut und sagte: "Toll, lass uns doch Reichtum einladen".


Seine Frau aber widersprach: "Nein, ich denke wir sollten lieber Erfolg einladen."


Die Tochter aber sagte: "Wäre es nicht schöner, wir würden Liebe einladen?"


"Sie hat Recht", sagte der Mann. "Geh raus und lade Liebe als unseren Gast ein". Und auch die Frau nickte und ging zu den Männern.


Draußen sprach sie: "Wer von euch ist Liebe? Bitte kommen Sie rein und seien Sie unser Gast".

Liebe machte sich auf und ihm folgten die beiden anderen.


Überrascht fragte die Frau Reichtum und Erfolg: "Ich habe nur Liebe eingeladen. Warum wollt Ihr nun auch mitkommen?"


Die alten Männer antworteten im Chor: "Wenn Sie Reichtum oder Erfolg eingeladen hätten, wären die beiden anderen draußen geblieben. Da Sie aber Liebe eingeladen haben, gehen die anderen dorthin, wohin die Liebe geht."

 


 

 

 

Die Lebensregeln des 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso


Wenn Du verlierst, verliere nicht den Lerneffekt.

Befolge grundsätzlich die folgenden drei Regeln:
denke (weil große Liebe und große Ziele große Risiken in sich bergen) an
- Respekt für Dich selbst
- Respekt für andere und
- Respekt (Verantwortung) für alle Deine Handlungen.

Denke daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.

Lerne die Regeln, damit Du weißt, wie Du sie brichst.

Wenn Du merkst, dass Du einen Fehler gemacht hast, unternimm unverzüglich etwas, um ihn zu korrigieren.

Verbringe jeden Tag einige Zeit mit Dir selbst.

Begegne Veränderungen mit offenen Armen, aber verliere dabei nicht Deine Wertmaßstäbe.

Denk daran, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist.

Lebe ein gutes ehrbares Leben - wenn Du älter wirst und zurückdenkst, wirst Du es ein zweites Mal genießen können.

Eine freundliche Atmosphäre in Deinem Haus ist die beste Grundlage für Dein Leben.

Wenn Du mit lieben Freunden streitest, bezieh Dich nur auf die aktuelle Situation - lass die Vergangenheit ruhen.

Teile Dein Wissen, so erlangst Du Unsterblichkeit.

Sei freundlich zur Erde.

Besuche einmal im Jahr einen Ort, den Du noch nicht kennst.

Denk daran, die beste Beziehung ist die, in der die Liebe für den anderen größer ist, als das Verlangen nach dem anderen.

Bewerte Deine Erfolge daran, was Du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.

Widme Dich der Liebe und dem Kochen mit wagemutiger Sorglosigkeit.

 


 

 

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind.
Unsere tiefste Angst ist, über die Maßen kraftvoll zu sein.


Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit,
was uns am meisten erschreckt.


Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant,
großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?

Aber wer bist du, dich nicht so zu nennen?


Du bist ein Kind Gottes.
Dich selbst klein zu halten wird die Welt nicht retten.
Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich klein zu machen,
so dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen.


Wir sind geboren worden,
um den Glanz Gottes, der in uns ist, sichtbar zu machen.
Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem Einzelnen.


Und wenn wir unser eigenes Licht strahlen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis
dasselbe zu tun.


Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere.


Nelson Mandela, 1994 Antrittsrede

 


 

 

13 ZEILEN FÜR DAS LEBEN


1. Ich mag Dich, nicht weil Du bist, wer Du bist, sondern dafür, wer ich bin, wenn ich mit Dir zusammen bin.

2. Keine Person verdient Deine Tränen, und die, die sie verdienen, werden Dich nie zum Weinen bringen.

3. Nur weil Dich jemand nicht so liebt, wie Du es Dir wünschst, heißt das nicht, daß er Dich nicht mit ganzer Seele liebt.

4. Ein wahrer Freund ist der, der Deine Hand nimmt, aber Dein Herz berührt.

5. Die schlimmste Art, jemanden zu vermissen, ist die, an seiner Seite zu sitzen und zu wissen, daß er nie zu einem gehören wird.

6. Höre nie auf zu lächeln, auch dann nicht, wenn Du sehr traurig bist, denn Du weißt nicht, wer sich vielleicht in Dein Lächeln verliebt.

7. Du kannst für die Welt nur eine Person sein, aber für eine Person die ganze Welt bedeuten.

8. Verbringe Deine Zeit nicht mit jemandem, der sie nicht mit Dir verbringen möchte.

9. Vielleicht möchte Gott, daß Du im Laufe Deines Lebens viele falsche Menschen kennenlernst, damit Du, wenn Du die richtige triffst, sie auch zu schätzen weißt und dankbar für sie bist.

10. Weine nicht, weil es vorbei ist, lache, weil es überhaupt passiert ist.

11. Es wird immer Menschen geben, die Dich verletzen, also mußt Du weiter vertrauen und nur in Zukunft vorsichtiger sein, wem Du ein zweites Mal vertraust.

12. Werde ein besserer Mensch und vergewissere Dich zu wissen, wer Du bist, bevor Du jemand anderen kennenlernst und darauf wartest, daß er weiß wer Du bist.

13. Strenge Dich nicht so an, denn die besten Dinge passieren, wenn Du sie am wenigsten erwartest.


von Gabriel García Márquez

 


 

 

Das perfekte Herz


Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe

Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es sah perfekt aus, es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm, ja, sie alle gaben ihm recht, es war wirklich das schönste Herz, dass sie je in ihrem Leben gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes perfektes Herz.


Plötzlich meldete sich ein älterer Mann aus den hinteren Reihen zu Wort und sagte.....nun, dein Herz ist perfekt im Aussehen, für wahr, aber es ist trotzdem nicht annähernd so schön und strahlend wie das meine.

Die Menschenmenge und der junge Mann sahen etwas irritiert um sich, um dann genauer das Herz des älteren Mannes zu betrachten.


Es schlug kräftig, doch es war voller kleiner und größerer Narben, es hatte Stellen wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren, aber sie passten nicht richtig und es gab auch einige ausgefranste Ecken, an einigen anderen Stellen wiederum waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten.


Die Leute starrten ihn fassungslos an, wie konnte dieser Mann mit diesem häßlich aussehenden Herzen die Behauptung aufstellen, sein Herz sei schöner als das des jungen Mannes.

 

Der junge Mann indes, blickte ebenfalls auf dieses zerfurchte Herz, sah den Zustand und begann zu lachen, belustigend und gemein zu lachen.......Du mußt scherzen, sagte er in einem überheblichen Ton, .......dein Herz mit meinem zu vergleichen, ist wohl an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Mein Herz ist einfach perfekt , deines hingegen ist ein durcheinander an Narben und Tränen.


Ja, sagte der Ältere, deines sieht wirklich perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen wollen, um nicht´s in der Welt. Jede Narbe an meinem Herzen steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe, ich reiße jedesmal ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihm und oftmals bekomme ich ein Stück zurück, das dann in die leere Stelle meines Herzens passt.......aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe die wir teilten.


Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurück gegeben hat, das sind die leeren Furchen die du siehst.


Liebe zu geben, heißt auch, ein Risiko einzugehen, ein Risiko, nicht wieder geliebt zu werden oder verraten zu werden, aber Liebe ist dieses Risiko auf jeden Fall wert.

Aber auch wenn diese Furchen bitterlich schmerzen, bleiben sie offen und erinnern mich jedesmal an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde......und ich hoffe, dass sie eines Tages wieder zurück kehren um den leeren Platz wieder auszufüllen.Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist ?.....fragte der Ältere den jungen Mann.


Der junge Mann stand still und gerührt da, Tränen rannen über seine Wangen, denn die Worte des älteren Mannes hatten in zutiefst berührt.Er ging auf den Mann zu, griff nach seinem jungen makellosen Herzen und riss ein Stück davon heraus um es dem Älteren mit zittrigen Händen anzubieten.


Dieser nahm das Angebot mit einem Lächeln an und setzte es in sein Herz ein, er wiederum riss ein Stück aus seinem vernarbten heraus und füllte die frische Wunde des jungen Herzens.
Es passte nicht perfekt da es bereits ausgefranste Ränder hatte, aber das war nicht wichtig.
Der junge Mann sah sein Herz an das nun nicht mehr perfekt aussah, aber schöner denn je strahlte, denn er spürte die Liebe des älteren Mannes in sein Herz fließen.
Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.


Narben auf dem Körper bedeuten, dass man gelebt hat .....
Narben auf dem Herzen aber bedeuten, dass man geliebt hat.....

 


 

 

Vielleicht will es Gott, dass wir zunächst viele falsche Menschen treffen,
bevor wir die richtigen treffen. Wenn wir letztendlich die richtigen
treffen, werden wir für dieses Geschenk dankbar sein.


Wenn sich das Tor des Glücks schließt, öffnet sich ein anderes, wir
schauen aber oft zu lange auf das geschlossene Tor, sodass wir das
geöffnete nicht sehen.


Die beste Art von Menschen ist diejenige, mit der wir auf einer Veranda
sitzen können ohne ein Wort zu sprechen, aber wenn wir auseinander gehen,
das Gefühl haben, die beste Konversation geführt zu haben, die wir jemals
gehabt haben.


Es ist wahr, dass wir erst dann wissen, was wir gehabt haben, bis wir es
verloren haben, aber es ist auch wahr, dass wir nicht wissen, was wir
vermissen, bis es eintrifft.


Schau' nicht auf Äußerlichkeiten, sie können täuschen; richte Dich nicht
nach Reichtum, der kann vergehen. Schau' nach jemandem, der Dich zum
Lachen bringt, weil es nur eines Lachens bedarf, um einen dunklen Tag hell
erstrahlen zu lassen. Finde denjenigen, der Dein Herz zum Lachen bringt.


Ziehe die Schuhe anderer an. Wenn Du meinst, dass sie Dich drücken, dann
drücken sie wahrscheinlich auch andere.


Die glücklichsten Menschen haben es nicht notwendig, das Beste von allem
zu haben; sie machen nur das Beste aus allem, was ihnen widerfährt.


Als Du geboren wurdest, hast Du geschrieen und alle um Dich herum haben
gelacht. Lebe Dein Leben so, dass Du, wenn Du stirbst, als einziger lachst
und alle anderen um Dich weinen.


Diese Zeilen sind für Menschen, die Dir etwas bedeuten, für diese, mit
denen Du im Laufe Deines Lebens in irgendeiner Weise Kontakt hattest, für
solche, die Dich zum Lachen bringen, wenn Du es wirklich brauchst, für
solche, die Dich die Dinge klarer sehen lassen, wenn Du niedergeschlagen
bist, für solche, denen Du wissen lässt, dass Du ihre Freundschaft schätzt.

 


 

 

Wir müssen auf die Stimme unserer Seele hören, wenn wir
gesunden wollen.

Letzlich sind wir hier, weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.
Solange wir uns nicht selbst in den Augen und Herzen unserer
Mitmenschen begegnen sind wir auf der Flucht.

Solange wir nicht erlauben, dass unsere Mitmenschen an unserem
Inneren teilhaben, gibt es keine Geborgenheit.

Solange wir fürchten durchschaut zu werden, können wir weder
uns selbst noch andere erkennen.

So lange bleiben wir allein.


Hildegard von Bingen

 


 

 

Eines Nachts hatte ich einen Traum


Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.


Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigenen und die meines Herrn.


Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.

Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.


Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.


Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?"


Da antwortete er: "Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."


Margret Fishback Powers

 


 

 

Ein Tourist übernachtet in einem Kloster.

Er wundert sich über die ärmliche Einrichtung und fragt einen Mönch:
"Wo habt ihr eure Möbel?"

"Wo haben sie denn ihre" fragt der Mönch zurück

"Meine?" fragt der Tourist verwundert, "ich bin doch nur auf der Durchreise!"

"Eben" antwortet der Mönch, "das sind wir auch."

 


 

 

I N S E L   D E R   G E F U E H L E


Vor ganz langer Zeit existierte eine wunderschoene kleine Insel, auf der alle Gefuehle der Menschen zu Hause waren: Der Humor und die gute Laune, die Traurigkeit und die Einsamkeit, das Glueck und das Wissen und all die vielen anderen Gefuehle. Natuerlich lebte auch die Liebe dort.


Eines Tages wurde den Gefuehlen jedoch ueberraschend mitgeteilt, dass die Insel sinken wuerde. Also machten alle ihre Schiffe seeklar, um die Insel zu verlassen. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten, denn Sie hing sehr an Ihrer Insel.


Bevor die Insel sank, bat die Liebe die Anderen um Hilfe. Als der Reichtum auf einem sehr luxurioesen Schiff die Insel verliess, fragte ihn die Liebe: "Reichtum, kannst Du mich mitnehmen?" "Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich sehr viel Gold, Silber und Edelsteine. Da ist kein Platz mehr fuer Dich."


Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam. "Stolz, bitte, kannst Du mich mitnehmen?" - "Liebe, ich kann Dich nicht mitnehmen", antwortete der Stolz, "hier ist alles perfekt und Du koenntest mein schoenes Schiff beschaedigen."


Als naechstes fragte die Liebe die Traurigkeit: "Traurigkeit, bitte nimm Du mich mit." - "Oh Liebe", sagte die Traurigkeit, "ich bin so traurig, dass ich allein bleiben muss."


Als die gute Laune losfuhr, war sie so zufrieden und ausgelassen, dass sie nicht einmal hoerte, dass die Liebe sie rief.


Ploetzlich rief eine Stimme: "Komm Liebe, ich nehme Dich mit." Die Liebe war so dankbar und so gluecklich, dass sie ganz und gar vergass Ihrem Retter nach seinem Namen zu fragen.


Spaeter fragte die Liebe das Wissen: "Wissen, kannst du mir vielleicht sagen, wer es war, der mir geholfen hat?" - "Ja sicher", antwortete das Wissen, "es war die Zeit." - "Die Zeit?" fragte die Liebe erstaunt, "Warum hat mir die Zeit denn geholfen?" - Und das Wissen antwortete: "Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist."


Man muss nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab, was zu uns gehört bleibt uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.       


Rainer Maria Rilke

 


 

 

Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben.
Sie haben meine Phantasie beflügelt.


Ich danke allen, die mich belogen haben;
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.


Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben;
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.


Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben;
Sie haben meinen Mut geweckt.


Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten.
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.


Ich danke allen, die mich verwirrt haben.
Sie haben mir meinen Standpunkt klar gemacht.


Ich danke allen, die mich verlassen haben;
Sie haben mir Raum gegeben für Neues.


Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben;
Sie haben mich wachsam werden lassen.


Ich danke allen, die mich verletzt haben;
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.


Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben;
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.


Ich danke allen die gegen mich gewonnen haben,
Sie habe mir gezeigt auch verlieren zu können.

Vor allem aber danke ich all denen,
die mich lieben, so wie ich bin.
Sie geben mir die Kraft zum Leben!
Danke.


© Paulo Coelho (Handbuch des Kriegers des Lichts)

 


 

 

DER SINN DES LEBENS


Ein Investmentbanker stand in einem kleine mexikanischen Fischerdorf am Pier und beobachtete, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer an Bord anlegte. Er hatte einige riesige Thunfische geladen. Der Banker gratulierte dem Mexikaner zu seinem prachtigen Fang und fragte, wie lange er dazu ! gebraucht hatte.

Der Mexikaner antworte: "Ein paar Stunden nur. Nicht lange."


Daraufhin fragte der Banker, warum er nicht länger auf See geblieben ist, um noch mehr zu fangen.

Der Mexikaner sagte, die Fische, reichen ihm, um seine Familie die nächsten Tage zu versorgen.

Der Banker wiederum fragte: "Aber was tun Sie denn mit dem Rest des Tages?"


Der mexikanische Fischer erklärte: "Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen, spiele mit meinen Kindern, mache mit meiner Frau Maria nach dem Mittagessen eine Siesta, gehe im Dorf spazieren, trinke dort ein Gläschen Wein und spiele Gitarre mit meinen Freunden. Sie sehen, ich habe ein ausgefülltes Leben."  


Der Banker erklärte: "Ich bin ein Harvard-Absolvent und könnte Ihnen ein bisschen helfen. Sie sollten mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres Boot kaufen. Mit dem Erlös hiervon wiederum könnten Sie mehrere Boote kaufen, bis Sie eine ganz Flotte haben. Statt den Fang an einen Händler zu verkaufen, könnten Sie direkt an eine Fischfabrik verkaufen und schliesslich eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Sie könnten Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren. Sie könnten dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko City oder Los Angeles und vielleicht sogar New York City umziehen, von wo aus Sie dann ihr florierendes Unternehmen leiten."


Der Mexikaner fragte: "Und wie lange wird dies alles dauern?"

Der Banker antwortete: "So etwa 15 bis 20 Jahre."

Der Mexikaner fragte: "Und was dann?"

Der Banker lachte und sagte: "Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, konnten Sie mit Ihrem Unternehmen an die Börse gehen; Ihre Unternehmensteile verkaufen und sehr reich werden. Sie könnten Millionen verdienen."

Der Mexikaner sagte: "Millionen. Und dann?"


Der Banker sagte: "Dann könnten Sie aufhören zu arbeiten. Sie könnten in ein kleines Fischerdorf an der Küste ziehen, morgens lange ausschlafen, ein bisschen fischen gehen, mit Ihren Kindern spielen, eine Siesta mit Ihrer Frau machen, in das Dorf spazieren, am Abend ein Gläschen Wein genießen und mit ihren Freunden Gitarre spielen."

 


 

 

DIE GESCHICHTE VON DER TRAURIGEN TRAURIGKEIT


Als die glutrote Sonne am Horizont dem Tag langsam entschwinden wollte, ging eine kleine zerbrechlich wirkende Frau einen staubigen Feldweg entlang.
Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.


Fast am Ende dieses Weges, saß eine zusammengekauerte Gestalt,
die regungslos auf den trockenen, ausgedörrten Sandboden hinunterstarrte.
Man konnte nicht viel erkennen, das Wesen das dort im Staub des Weges saß,
schien beinahe körperlos zu sein.


Es erinnerte an eine graue aber weiche Flanelldecke mit menschlichen Konturen.
Als die kleine zerbrechlich wirkende Frau an diesem Wesen vorbeikam,
bückte sie sich ein wenig und fragte:
"Wer bist du?"


Zwei fast regungslose Augen blickten müde auf.
"Ich? Ich bin die Traurigkeit." flüsterte die Stimme stockend und so leise,
dass man sie kaum zu hören vermochte.

"Ach, die Traurigkeit !" rief die kleine Frau erfreut,
als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.


"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit vorsichtig?
"Aber ja, natürlich kenne ich dich!
Immer wieder einmal hast Du mich ein Stück meines Weges begleitet."

"Ja, aber ...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht
und nimmst reiß aus? Hast du denn keine Angst vor mir?"

"Warum sollte ich vor dir davonlaufen?
Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst.
Man kann dir nicht entkommen.


Aber, was ich dich fragen möchte: Warum siehst du so betrübt und mutlos aus?"

"Ich ... ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit klangloser Stimme.
Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr.

"Traurig bist Du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf.  
"Erzähl mir doch, was dich so sehr bedrückt."


Und die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören?  
Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht.

"Ach, weißt du", begann die Traurigkeit zögernd,
"es ist so, dass mich einfach niemand mag. Niemand will mich.
Dabei ist es doch nun mal meine Bestimmung unter die Menschen zu gehen
und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen.
Aber jedes mal wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück.
Sie fürchten sich vor mir und meiden mich."

Die Traurigkeit schluckte schwer.


"Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich verstoßen wollen.
Sie sagen: Ach was, das Leben ist heiter und fangen an zu Lachen.  
Aber ihr falsches erzwungenes Lachen führt zu Magenkrämpfen.
Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht.  
Und dann bekommen sie Herzschmerzen.  
Sie sagen: Man muss sich zusammenreißen.
Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken, im ganzen Körper. Verkrampft sind sie.  
Sie drücken die Tränen tief hinunter und haben Atemnot.
Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen.
Dabei sprengen die aufgestauten Tränen fast ihre Köpfe.
Manchmal können sie dadurch nicht mal mehr Sprechen.  
Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen,  
damit sie nicht fühlen müssen."


Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen.
"Und dabei will ich den Menschen doch nichts Böses, ich will ihnen doch nur helfen.  
Denn wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen.  
Ich helfe ihnen ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen und zu heilen.  
Weißt du, wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut,  
und manches Leid bricht dadurch immer wieder auf,  
wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh.  
Aber nur wer mich zu sich lässt und all die ungeweinten Tränen weint,  
kann seine Wunden erst wirklich heilen.  


Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich Ihnen dabei helfe.  
Statt dessen schminken sie sich ein grellen Lachen über ihre Narben.  
Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit und ewiger Enttäuschung zu.  
Ich glaube, sie haben einfach nur unbändige Angst zu weinen und mich zu spüren.  
Deshalb verjagen sie mich immer wieder."


Dann schwieg die Traurigkeit. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker
und schließlich ganz innig und verzweifelt und die vielen kleinen Tränen
tränkten den staubigen, ausgedörrten Sandboden.  


Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkenen Gestalt tröstend in die Arme.  
Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte das zitternde Bündel.
"Weine nur, kleine Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll,
"ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst.  
Du sollst nicht mehr alleine wandern. Ich werde auch dich von nun an begleiten,  
damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt."
 
Die Traurigkeit hörte zu weinen auf.  
Sie sah zu ihrer neuen Gefährtin auf und betrachtete sie erstaunt:
"Aber ... aber, wer bist du eigentlich ?"
"Ich ...", sagte die kleine und zerbrechlich wirkende Frau und lächelte dabei  
wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen,
" ... bin die Hoffnung!


Inge Wuthe

 

 

 

Ein menschliches Wesen, ist Teil des Ganzen

welches wir Universum nennen,

ein in Zeit und Raum begrenzter Teil.

Er erfährt sich selbst,

seine Gedanken und Gefühle,

als etwas vom Rest Getrenntes,

eine Art optischer Täuschung seines Bewusstseins.

 

Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns,

das uns auf unsere persönlichen Wünsche

und Verlangen und die Zuneigung zu einigen

uns nahestehenden Menschen beschränkt.

 

Unsere Aufgabe muss sein,

uns aus diesem Gefängnis zu befreien,

indem wir den Kreis unseres Mitfühlens so erweitern,

dass er alle lebenden Kreaturen und die ganze Natur

in all ihrer Schönheit einschließt.

 

Albert Einstein